Zur Geschichte der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft


Nach getrennten Gründungsaufrufen sowohl in Ostdeutschland als auch in Westdeutschland kam es am 30.5.1950 in Schwäbisch-Hall zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft. Erster Vorsitzender wurde Dr. Dannecker. Auch in Ostdeutschland war das naturgemäße Gedankengut seit Jahren diskutiert worden, so z.B. von Krutzsch und Blanckmeister. Der Gründungsaufruf fand aber nicht die Zustimmung der ostdeutschen Staatsmacht. Stattdessen wurde hier durch staatliche Weisung vom 20.11.1951 die "Umgestaltung der Kahlschlagwirtschaft auf vorratspflegliche Waldwirtschaft" angeordnet.

Die ANW bestand jeweils zur Hälfte aus privaten Waldbesitzern und Forstleuten der verschiedenen Besitzarten. Sie besuchte auf zahleichen Tagungen Beispielsbetriebe im gesamten Bundesgebiet und erörterte praktische Erfahrungen und wirtschaftliche Erfolge. Auch die Nachbarländer Holland, Dänemark und die Schweiz wurden besucht. Die ANW trat aber zunächst wenig in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Die meisten staatlichen Forstverwaltungen standen ihr skeptisch bis ablehnend gegenüber, unter anderem wohl auch weil sie Übersichtlichkeit und Kontrollmöglichkeit vermissten. Dennoch wurde auf Drängen von Willy Wobst schon im Jahre 1949 die Revierförsterei Gittelde des Staatlichen Forstamtes Stauffenburg offiziell zum Versuchsbetrieb für Naturgemäße Waldwirtschaft erklärt. Auch in den Staatlichen Forstämtern Erdmannshausen unter Hilmar Schoepffer und Osterholz-Scharmbeck unter Jürgen Ebrecht konnte naturgemäß gearbeitet werden. Diese Betriebe arbeiten bis heute durchgehend auf naturgemäßer Grundlage.

In den Achtziger Jahren spielten Ökologie und Umweltfragen eine immer größere Rolle in der Gesellschaft der Bundesrepublik. So fand auch die ANW zunehmende Aufmerksamkeit. Die stark steigenden Mitgliederzahlen machten eine Unterteilung in Landesgruppen notwendig, die sich als eingetragene Vereine konstituierten, so in Niedersachsen im Jahre 1987. Der ANW-Bundesverband wurde im Jahre 1989 in Rentweinsdorf gegründet; erster Bundesvorsitzender wurde Sebastian Freiherr v.Rotenhan. Eine eigene Zeitschrift "Der Dauerwald" wurde ins Leben gerufen. Alle zwei Jahre finden Delegiertentagungen auf Bundesebene statt.

Der Landesverband Niedersachsen e.V. konstituierte sich 1987. Zum ersten Vorsitzenden wurde Dr. Hermann Wobst gewählt. Der Landesverband hat zur Zeit ca. 300 Mitglieder. Wesentliche Grundsätze der naturgemäßen Waldwirtschaft wurden in Niedersachsen im Jahre 1991 in das "Regierungsprogramm zur langfristigen, ökologischen Waldentwicklung in den Landesforsten" aufgenommen. Das von Dr. Otto ausgearbeitete langfristige Programm findet breite Zustimmung in der forstlichen Praxis und hat bereits zu einem veränderten Erscheinungsbild der Wälder geführt.