Bericht über die Exkursion der ANW-Landesgruppe Niedersachsen

in das Niedersächsische Forstamt Oldendorf, 10. Okt. 2007

 

von Hermann Wobst

 

 

„Kyrill und seine Folgen – Wie viel Mut zur Natur ?“,  so lautete das Thema der Exkursion, die im Anschluss an die Mitgliederversammlung von FD Weigel und Mitarbeitern geleitet wurde. Vom 18. auf 19. Januar 2007 bescherte Orkan Kyrill dem Forstamt Oldendorf (im Weserbergland)  90.000 Fm Windwurfholz, davon 85% Fichte. Diese Menge verteilte sich auf 200 ha, wovon 145 ha auf Flächen über 0,5 ha entfielen.

 

Vorgestellt wurden fünf typische Schadenssituationen mit Flächengrößen zwischen 0,7 und 11,0 ha. Die geworfenen Vorbestände waren 48–70jährige gleichaltrige  Fichtenreinbestände, die auf frischen bis vorratsfrischen  Schatthang- oder Plateaustandorten aus gut versorgten kalkhaltigen Mischlehmen, zum geringeren Teil auch aus ziemlich gut versorgten Lössmisch- lehmen gestockt hatten, - Standorten also, die laut FD Weigel zu den besten gehören, die Niedersachsen zu bieten hat.

 

An den fünf Schadflächen wurden besonders folgende Fragen diskutiert :

            Welche Flächen müssen künstlich begründet werden ?

                        Welche Baumarten ? Mischungsform ? Verband /Stück je ha ?

                        Ab welcher Flächengröße ? Mit oder ohne Flächenvorbereitung ?

                        In welcher Reihenfolge ( Pflanzenverfügbarkeit, Verwilderung) ?

                        Wie entwickelt sich die Konkurrenzflora (Brombeere!) ?

            Wo kann  man auf Naturverjüngung setzen ?

                        Bis zu welcher Flächengröße ? Zusätzlich zu Pflanzmaßnahmen ?

Wie weit ist mit Anflug aus Nachbarbeständen zu rechnen ?

            Wo kann Vorwald eine Option sein ?

                         Welche Baumarten ? Wie lange kann man abwarten ?

            Was lassen vom Sturm abgedeckte Voranbauten (Buche,  Edellaubholz) erwarten ?

Erlauben Stammzahl und Ausmaß der Schäden ausreichende Qualität ?

Ist Schlagpflege nötig ? Kann noch per Pflanzung ergänzt werden ?

Besteht Aussicht auf  ergänzende Naturverjüngung ?

 

Die lebhafte Diskussion enthielt meist  mehrere und durchaus akzeptable Vorschläge zur weiteren Behandlung der einzelnen Schadflächen. Nicht immer reichte dabei die Zeit, sich jeweils  auf eine gemeinsame Lösung zu verständigen.

Einig war man sich aber von vornherein darin, dass auf den sehr guten lößbeeinflussten Jurakalk- und Keuper-Standorten und Höhenlagen um 400 m das künftige Bestockungsziel  im Prinzip nur Laubmischbestände sein können.

 

Dort, wo wegen der Größe der Schadflächen eine mindestens teilflächige Pflanzung geboten erschien (meist wegen drohender Bodenverwilderung besonders durch Brombeere, die sich bereits im feuchten Sommer 2007 vielfach sehr heftig ausgebreitet hatte) war man sich weitgehend einig, ohne Schlagräumung möglichst große Pflanzen mehrerer Baumarten (Buche, Edellaubbäume) in horst- bis kleinflächenweiser Mischung zu verwenden. Begonnen werden sollte mit den größten und/oder bereits am stärksten verwilderten bzw. von starker Konkurrenzflora bedrohten Flächen.

 

Angesichts des nicht nur organisatorischen Problems, 200 ha Sturmflächen möglichst rasch wieder in Produktion zu bringen, stand stets die Frage zur Debatte, wo und in welchem Maße natürliche Verjüngung hierbei arbeits- und kostensparend  einzusetzen wäre. Erfreuliche  Ansätze  dafür fanden sich darin, dass viele  Schadflächen von Nachbarbeständen umgeben sind,  aus denen natürliche Ansamung besonders von Bergahorn und Buche, z. T.  aber auch von Esche, Birke, Weide, Eberesche, Lärche oder Fichte erwartet werden kann oder bereits auf Teilflächen vorhanden ist. Bei entsprechenden Kleinflächen (unter 1 ha), so die  überwiegende Ansicht, sollte deshalb auf natürliche Wiederbewaldung gesetzt werden. Gleiches wurde auch für mehr oder weniger breite Randstreifen der größeren Sturmflächen. für möglich gehalten. Pflanzungen können dadurch auf deren Zentren begrenzt und Kosten damit erheblich vermindert werden.

 

Auf den großen Schadflächen  mit z. T. schon reichlich vorhandenen Sämlingen von Birke, Weide und Eberesche wurde auch diskutiert, die Entwicklung eines Vorwaldes abzuwarten und diesen erst (10-15 Jahre ?) später mit Hauptbaumarten und geringen Stückzahlen (und Kosten) zu  „unterbauen“. Gegen diese Variante sprachen : Verzicht auf sofortige Produktion mit der Zielbestockung, ungewisser Ausgang des Wettlaufs zwischen Bodenvegetation und Vorwald  und ein – eher unerwartetes, dennoch starkes – bürokratisches Argument : die Mehreinnahmen des Forstamts aus der Verwertung des Sturmholzes können nicht der „allgemeinen Rücklage“ zugeführt werden, auf die man auch nach 15  Jahren zurückgreifen könnte, sondern sind aus steuerlichen Gründen nur als  „Rückstellungen“ zu werten, die nach spätestens zwei Jahren wieder ausgegeben sein müssen. In der Summe erwuchs daraus, dem Vorwald nur auf kleineren Teilen großer Schadflächen eine Chance zu geben, - nicht zuletzt, um Erfahrungen mit dieser Variante zu sammeln.

 

Die älteren (64-70jährigen) Fichtenbestände wiesen auf Teilflächen bereits Voranbauten  mit Buche, Bergahorn, Esche, Kirsche) auf. Zusätzlich war unregelmäßig verteilt hier und da Naturverjüngung (Fichte, verschiedene Laubbäume) angekommen, auf Käferlöchern bereits Brombeere und Gras. Diese Sturmflächen stellen damit sehr inhomogene Objekte dar. Hier sind deshalb mehrere Maßnahmen nebeneinander zu bedenken : Zur Pflanzung auf noch unbestockten Teilflächen kommen Ergänzung und Fortführung von Naturverjüngung, Hiebsschadensbeseitigung in stärker geschädigtem Voranbau sowie ggf. nachfolgende Ergänzung desselben. Dies räumlich und zeitlich vernünftig zu planen und umzusetzen, wird nicht die einfachste Aufgabe sein, die der Orkan dem Forstamt hinterlassen hat.

 

Zu  Fragen nach dem Verbißschutz der zu begründenden Kulturen bzw. Naturverjüngungen wurde eine entsprechend intensive Bejagung gefordert. Der Vorschlag, auf den großen Schad-flächen schon im Zuge der Pflanzung im Zentrum mindestens eine Wildäsungsfläche mit entsprechenden jagdlichen Einrichtungen anzulegen, fand allgemeine Zustimmung, zumal in einer Försterei mit  durchaus unerwünschtem „Zuzug“ von Rotwild aus benachbarten Privatjagden gerechnet werden muss.

 

Die gelungene Auswahl der „Waldbilder“ und die Präsentation der Problematik fanden den einhelligen Beifall aller Teilnehmer. Für die von Forsteinrichtung und Forstamt geleistete Vorbereitung versüßte der Vorsitzende, FD Edmund Haldenwang, den herzlichen Dank der ANW-Landesgruppe Niedersachsen an den Exkursionsleiter und seine Mitarbeiter mit je einem Paar ANW-Socken.

 

 

 

 



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