Laubholzwirtschaft in einem Mittelgebirgsrevier

Regionaltagung der ANW - Niedersachsen im Forstamt Grünenplan

Von Jochen Hansmann

 

Ein kleiner aber sehr sachverständiger  Kreis von Forstleuten hatte sich am 16.06.2010 oberhalb der ehemaligen Forstschule Düsterntal im Revier Hagenthal des Forstamtes Grünenplan versammelt, um einen anregenden und informativen Tag im Wald zu verbringen.

Forstamtsleiter Hauke Bruns gab zunächst einen Überblick über die organisatorischen und standörtlichen Verhältnisse des Forstamtes. Dann übertrug er die Leitung der Exkursion dem zuständigen Revierleiter Thomas Krengel. Dieser führte die Gruppe zu Beginn in einen ca.120-jährigen Fichtenreinbestand, bei dem aktuell eine Zielstärkennutzung vorgenommen war. Entgegen der FE-Planung wurden statt der 80 Fm/ha 115 Fm/ha vornehmlich an zielstarkem Holz entnommen, was zu einer kontroversen Diskussion hinsichtlich der Eingriffsstärke führte. Auch die Frage, in welchem Tempo man die Nutzung des zielstarken Holzes fortführen sollte, ergab unterschiedliche Strategien. Hinsichtlich der weiteren Behandlung des Bestandes, in dem vielerorts schon Ansätze der Naturverjüngung erkennbar waren, gab es unterschiedliche Vorschläge, die von Beimischung von Edellaubholz über Buche bis hin zur Douglasie reichten. Ein Problem wurde im Begrenzen der starken Fichten-Naturverjüngung gesehen.

In zwei folgenden Waldbildern ging es dann um die Zielstärkenutzung in der Buche. Im ersten, 144-jährigen Buchenbestand mit jeweils 10-prozentigem Eschen-und Lärchenanteil waren motormanuell ca. 90 Fm/ha genutzt worden. Trotz dieser hohen Masse wurde der Eingriff überwiegend als zielführend mit Blick auf die Verjüngung angesehen, wobei allerdings ein höherer Anteil an Eschenverjüngung vermisst wurde. Sorge bereitete der Zustand der Buchenkronen mit einem geringen Anteil an Schattblättern. Auch die mehrmalige starke Fruktifikation in den letzten Jahren trägt dazu bei, dass hier von Zuwachsverlusten auszugehen ist.

Im angrenzenden Bestand stand die Holzerntetechnik im Vordergrund: Dieser 100-jährige Buchenbestand war vor 2 Jahren mit dem Harvester durchforstet worden. Dazu war der Gassenabstand auf 20 m verfeinert worden, trotzdem mussten die stärksten Bäume manuell zugefällt werden. Die Sortierung des Holzes erfolge dann am Forstweg. Obwohl keinerlei Bestandesschäden erkennbar waren und auch die Fahrspuren in einem guten, PEFC-konformen Zustand waren, ergab sich hier eine intensive Diskussion über die wirtschaftliche Notwendigkeiten und die Grenzen des Harvestereinsatzes. Während einerseits auf die günstigen Aufarbeitungskosten von 20,- €/Fm hingewiesen wurde, kritisierten Andere den Technik-bedingten engen Gassenabstand. Einigkeit bestand darin, dass die  Witterungsbedingungen bei einem solchen Einsatz von ganz entscheidender Bedeutung sind.

Im nächsten Waldbild wurde ein 78-jähriger Buchenmischbestand nach zwei Eingriffen mit insgesamt 75 Fm/ha präsentiert. Dies Bestandesbild wurde einmütig als zielkonform angesehen, lediglich bei der hohen Zahl der ausgehaltenen Sortimente wurde der Wertschöpfungseffekt etwas infrage gestellt. Thomas Krengel erläuterte an diesem Punkt die Versorgung des Brennholzmarktes mit dem traditionellen Einsatz der Selbstwerber im Bestand und der Abgabe fertig aufgearbeiteten Energieholzes am Weg als Alternative.

Auf dem Weg zum nächsten Waldbild, einem 117-136-jährigen Fichtenreinbestand, konnte am Wegesrand der „Powercut“- Einsatz, d.h. Fällen und Ablegen von Ganzbäumen mit schwerem Fällbagger und anschließendem Hackereinsatz begutachtet werden. Auch hier ergaben sich geringe Kosten bei einem guten optischen Eindruck des Wegelichtraumprofils.

Im sehr vorratsreichen (überbestockten?) Fichtenbestand wurde dann die Frage der Bestandessicherheit und Strategien zur weiteren Behandlung und des Bestandesumbaus diskutiert.

An einem idyllisch gelegenen Platz nahm die Gruppe einen herzhaften Mittagsimbiss ein. Weitere Erfahrungen und Erinnerungen wurden ausgetauscht, auch forstpolitische Fragen von wirtschaftlichen Zwängen bis hin zu Grenzen fortwährender Organisationsänderungen und Arbeitsbelastungen standen im Raum.

Die vorbereiteten Waldbilder des Nachmittagsprogramms rundeten die sehr vielfältige Palette dieser Exkursion ab. Das reichte von der Vorstellung des Projektes „Holzkunst am Hilsbruch“, einer Mischung aus rustikalen Erholungseinrichtungen und originellen Kunstobjekten aus Holz bis hin zu Problemen des Managements von FFH-Gebieten. Im Forstamt befinden sich ca. 6000 ha dieser Flächen, jeweils zur Hälfte in den Landesforsten und im Betreuungswald. In den Flächen der Landesforsten wurden rund 9500 alte Bäume als Einzelbäume oder Habitatgruppen auf freiwilliger Basis zusätzlich markiert und dauerhaft geschützt. Probleme bereiten dem Forstamt zunehmend Konflikte bei der Ausweisung von Wanderwegen in Naturwaldgebieten – besonders aus haftungsrechtlicher Sicht.

Fazit der Veranstaltung: Eine von den Mitarbeitern des Forstamtes sehr gut vorbereitete und organisierte Exkursion mit vielen Eindrücken und Diskussionspunkten. Besonders erfrischend war die Tatsache, dass man nicht nur „Highlights“ sondern den normalen forstlichen Alltag präsentierte mit dem Mut, sich selbst infrage, bzw. zur Diskussion zu stellen. Die ANW-Landesgruppe Niedersachsen bedankt sich beim Forstamt Grünenplan für diesen gelungenen Tag!

 

 

 

 



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